Worum es hier geht

Sonntag, 24. April 2016

Ganz viel Buntes

Und plötzlich musste ich begreifen, dass mein Alien keine Schule mehr hat.
Also, bis auf 2 Abi-Prüfungen und die Zeugnisübergabe, muss er nicht mehr zur Schule.
Schön für ihn.
Eine gewisse Herausforderung für mich, denn wenn er im Haus ist, kann ich so etwas wie "konzentriert arbeiten" schlicht vergessen.
Wenn mein Alien daheim ist, müssen sozusagen 3 Leute den Raum verlassen, damit es ruhig ist.
Da sein Zimmer ihm zu unordentlich ist, hat er sein Lager an dem Esstisch aufgeschlagen, an dem ich gern arbeite.
Also habe ich mich ins Büro zurückgezogen, was mir aber rein gar nichts bringt.
Wenn er etwas hat, beginnt er unverzüglich laut zu reden und macht sich laut redend auf den Weg zu mir.
Gelegentliche Wutausbrüche von mir, nimmt er dann staunend zur Kenntnis, wartet geduldig, bis ich mich wieder abrege und erzählt dann unverdrossen, was immer er mir mitteilen wollte und ist stinkebeleidigt, wenn ich dann nicht auf sein Thema eingehe.

Ich habe nun viele Jahre hinter mir, in denen ich vergeblich versuchte, ihn darauf aufmerksam zu machen, dass auch andere Menschen gewisse Bedürfnisse haben. Nun habe ich nur noch ca 90 Tage mit ihm vor mir und habe beschlossen, diese nun einfach zu genießen.

Danach warten unzählige sehr ruhige Tage auf mich, in denen ich den Kühlschrank leerräumen und ungestört saftfasten kann.
Und sehr ruhig und sehr konzentriert arbeiten kann.

Vermutlich werde ich hier noch herumjaulen, wie verdammt ruhig es ist, wenn der Nachwuchs sich sonstwo in der Weltgeschichte herumtreibt.

Aber bis dahin ...
... reise ich selbst :)

Nein, ich klammer mich nicht an den Alien und genieße jede Sekunde, sondern nutze ihn schamlos als Hunde-Katzen-Hühner-Sitter aus und beginne gleich nächste Woche damit.
Ich fahre nach Kopenhagen - per Bahn - um mir die Illumination anzuschauen - und weil ich immer vorhatte, meine Prinzessin während ihres Auslandssemesters einfach mal zu besuchen.

Im Mai geht es dann wieder eine Woche in die alte Heimat
und im Juni über Kopenhagen, Malmö, Göteborg nach Oslo.
Roadtrip mit der Prinzessin, deren Auslandssemester endet und die dafür dann ein Auslandspraktikum beginnt und mit Sack und Pack nach Oslo gebracht werden "muss".
Muss sie natürlich nicht, aber wir haben beide Spaß an der Idee des gemeinsamen Roadtrips.

In Oslo treffe ich dann eine Freundin.
Der ursprüngliche Plan lautete, dass wir beide dann quer durch Norwegen wieder nach hause fahren.
Was meine sehr unzulänglichen Erdkunde-Kenntnisse beweist, denn der Landweg würde uns über Göteborg, Malmö, Kopenhagen führen und hey, in Göteborg war ich erst letztes Jahr mit ihr ...

Göteborg ist nett, aber ... 3 Nächte Göteborg sind schon leicht zu viel und wir hatten diese 3 Nächte bereits.

Als ich endlich mal in die Landkarte von Norwegen geschaut habe, musste ich schlicht lachen - aber nun haben wir uns eine Tour über Bergen ausgeklügelt und das verspricht nett zu werden.

Mitte/Ende Juli muss ich dann den Alien irgendwo in Dänemark einsammeln und nach Kopenhagen zum Flughafen bringen.
Die Tour werde ich - hoffentlich - schon mit meinem Entsafter im Gepäck erledigen.
Wenn alles läuft, wie geplant, sehe ich den Alien erst ein Jahr später wieder.
Ich bin sehr gespannt.

Ein Jahr später, wenn ich total schlank, bildschön und total jugendlich bin (kreisch ... und 50!)

so sehen also meine Pläne aus.
Die Waage staubt derweil vor sich hin und in meiner Mailbox stapeln sich Beiträge, die ich eigentlich ganz schnell einbauen möchte ...

Samstag, 16. April 2016

ordentlich altern ...

Puh, das Alter ist nichts für Feiglinge ...
... und damit meine ich jetzt gar nicht das Alter meiner Eltern, sondern meins.

Vorgestern stand ich hier in der Küche und suchte die Kaffeefilter.
Sie standen nicht da, wo sie immer standen - also immer, als ich ca 30 - 40 Jahre jünger war.
Plötzlich ging mir auf, dass ich hier meinen Kaffee verdammt noch mal nie selbst kochen musste.
Den hat mir noch im Oktober mein Väterchen gekocht.
Demenz mag ja ein Arschloch sein, aber Kaffee kochen ging noch.
Mein Väterchen kocht mir keinen Kaffee mehr.
Im nächsten Moment stand ich plärrend in der Küche und als die sehr nette Pflegerin dazu kam, stieß ich schluchzend heraus, dass ich die verdammten Kaffeefilter nicht finde.
Sie waren übrigens genau vor meiner Nase im Zwiebelkörbchen.
Ich meine, da waren immer Zwiebeln drin, da suche ich doch keine Kaffeefilter und ... selbst wenn ich ohne Brille hingeschaut hätte, hätte ich die bräunlichen Filter im bräunlichen Körbchen nicht erkannt.
Das Altern ist ein Arschloch!

Ich habe mich übrigens ganz schnell wieder beruhigt - also, als der Kaffee fertig war.
(Wo ist MEINE Tasse???)
Und ich ihn halb getrunken hatte, tickte ich wieder ganz sauber.
Ok, er kocht keinen Kaffee mehr und ob er mich diesmal erkannt hat, steht in den Sternen, denn er spricht jetzt auch viel weniger.
Aber: er mag noch immer meinen Stachelbeerkuchen.

Einerseits ist Demenz ... ja, auch ein Arschloch ... verzeiht mir meine Wortwahl ... aber andererseits ist mir mein "Original-Papi" vor 10 Jahren von jetzt auf gleich mit dem Flugzeug abgestürzt und so weiß ich diesmal diesen Abschied auf Raten zu schätzen.
Bei der Demenz verblödet man übrigens nicht, sondern wird einfach weniger.
Ich erkenne mein Väterchen noch immer wieder - nicht nur optisch, sondern in ganz vielen Gesten und Satzteilen.
Viele Rituale funktionieren, auch wenn er nur noch die Anfangssilbe eines Satzes herausbringt.
Wie viele Jahrzehnte haben wir bei Kaffee und Kuchen beisammen gesessen um nun zu wissen, was er meint?!
Es ist so tröstlich zu sehen, dass er seine Lebensfreude und seinen Anstand mitnimmt, während er sich immer weiter in sich zurückzieht.
Ich bin versucht, Pfeffer zu streuen, weil er noch immer beide Hände vor die Nase hält, wenn er niest und dann grinst und dann "das sollte ein Lied werden!" sagt.
Also, Teile davon sagt er.
Meine Schwester musste lachen, als er Kuchen aß.
Nicht über ihn, sondern über mich, da ich immer meinen Mund aufmachte, wenn er Kuchen auf der Gabel zum Mund balancierte.
Ein bittersüßes Erlebnis, mit ihm am Tisch zu sitzen.
Er hat aus dem Nichts eine Firma aufgebaut und erfolgreich geleitet - jetzt sitzt er am Tisch und versucht einen Ball zu schälen.
Darüber mache ich mich nicht eine Sekunde lang lustig, denn egal, wie viel ihm mittlerweile entglitten ist, er kann sich noch immer freuen.
Der Anblick von Kindern, Hunden und Pferden macht ihn glücklich.
Und wenn wir spazieren gehen, grüßt er jeden und wird von jedem gegrüßt.
Die Spaziergänge werden kürzer, seine Schläfchen immer länger.

Donnerstag, 7. April 2016

Er hat ja Recht, der Schweinehund

Heute wird gekocht ...
Ich habe mir die Idee meines inneren Schweinehundes mal durch den Kopf gehen lassen.
Es muss ja nicht gleich die Pizza mit (mindestens) 4 Käsesorten sein.
Ich hatte den etwas verbissenen Wunsch, bei der Übergabe des Abiturzeugnis(ses?) meines Aliens schlank, schön und wow auszusehen, daher wollte ich jetzt saftfasten, was das Zeug hält.

Ich brauchte mir jetzt aber nur vorzustellen, wie ich nächste Woche vor den Augen meines dementen Väterchens meinen Entsafter in der Küche aufbaue.
Ich glaube, ich habe sehr viel mehr Lust, ihn lecker zu bekochen.
Und auch die letzten Monate mit meinem Alien ...
Daher:
nächstes Saftfasten im August.

Allerdings werde ich mir dennoch möglichst täglich, wenn ich daheim bin, einen Saft machen.
Hugh!

Dienstag, 5. April 2016

Saftfasten mit narzisstischer Mutter ...

Ja, so langsam werde ich ein wenig zynisch, denn ich wollte doch eigentlich die Alien-freie Zeit nutzen und mein Saftfasten jetzt mit Wildkräutern so richtig schön dokumentieren.
Aber derzeit kann ich froh sein, wenn ich überhaupt im Fastenmodus bleibe, da meine liebe Mama wieder mal alle in Atem hält.
Mein Riecher, dass sie derzeit nicht nur inszeniert, sondern es ihr tatsächlich schlecht geht, war richtig.
Heute ist sie nun endlich im Krankenhaus gelandet.
Warum der Arzt sie letzten Freitag nicht schon ins Krankenhaus gesteckt hat, ist ein Rätsel, denn nun wurde von der aus dem Urlaub zurückgekehrten Hausärztin recht aufgebracht verkündet, wir hätten doch schon eher einschreiten müssen - noch eine Woche länger und sie wäre vermutlich tot!
Krasse Aussage.
Und natürlich bin ich nun wieder auf dem Sprung und werde hinfahren, sobald der Alien aus seinem Urlaub zurück ist.

Mein innerer Schweinehund schlug vor, umgehend eine Pizza mit mindestens 4 Käsesorten zu bestellen und in aller Ruhe ab August Saft zu fasten, aber pöh ...
Ich habe jetzt einen Vorrat an gekauften Gemüsesäften hier und vorhin habe ich es doch mal geschafft, mir auch wieder einen richtig leckeren Saft zu machen.
Die Wildkräuter fielen flach.

Das Rezept setze ich aber gleich in meinen mutterlos seriösen Saftfasten-Blog.
Wer also kein Chaos-Gesabbel, sondern ausschließlich Saftfasten haben möchte, der lese bitte dort.
Mein Gesabbel hier tut mir ganz gut - Eure Reaktionen noch besser.

Das NPS-Thema finde ich weiterhin sehr interessant.
Es nimmt meiner Mutter das Unheimliche, das Böse, das Monströse, das Bedrohliche.
Diese NPS betrifft wohl viele Menschen der Kriegskindergeneration, der meine Mutter angehört.
So gesehen ist sie ein Opfer der Umstände.

Meine Oma hat immer viel vom Krieg erzählt, von den Nächten im Luftschutzkeller, von der Flucht, vom Ausgebombt Werden, davon alles zu verlieren und wie auch mein Onkel schon als Baby sterben musste. All das hat meine Mutter als Kind erlebt und es hinterließ wohl Spuren.
Auch stelle ich es mir hart vor, 2 Töchter zu haben, die einfach nicht gut genug sind um sie zu lieben.
Wenn ich mir vorstelle - all die Arbeit, Sorgen, Kosten - das Angebunden Sein, das ich mit meinen Kindern habe/hatte durchstehen zu müssen, ohne Mutterliebe. Das muss für sie tatsächlich hart gewesen sein.
Was habe ich dagegen für ein Glück, dass ich meine Kinder immer lieben kann und konnte, auch wenn ich gelegentlich vor Wut mal auf der Stelle hopsen möchte.

Als Kind war ich mir sicher, sie sei nicht meine Mutter, sondern eine Hexe oder zumindest die Stiefmutter im Märchen meines Lebens. Damals fand ich den Gedanken, wie sie dann mit glühenden Schuhen tanzen würde, sehr sehr befriedigend.

Ist es aber nicht.
Mir ist schon klar, dass ich wieder ein paar "Treffer" einkassieren werde,
wie schade es sei, dass mit meinen Haaren nur Scheißfrisuren gehen,
dass ich so dick niemals wieder einen Mann abbekommen werde,
dass ... egal ... insgeheim sammel ich damit nur Stoff für diesen Blog und werde schauen, ob man ihre Schuhe nicht ein wenig herunterkühlen kann.






Sonntag, 3. April 2016

Tochter von narzisstischer Mutter

Faszinierend ... nächstes Jahr marschiere ich stramm auf meinen 50. Geburtstag zu.
All die Jahre habe ich recht gruselig unter meiner Mutter gelitten.
Viele Jahre habe ich mich durchaus für Psychologie interessiert, auch Narzissten waren absolut ein Thema, da ich insgeheim - wie wohl viele - ein Faible für Narzissten habe.
Aber immer war ich schlau genug, keine echte Beziehung mit so einem Menschen einzugehen.
Ich erkannte Narzissten immer recht schnell als solche ... dachte ich.

Und nun hat mir eine Fremde einen Link zu einem Thema gegeben:
Töchter von narzisstischen Müttern

Und plötzlich hat alles einen Sinn.
Bitte noch ein kleines Stückchen weiterlesen, wenn Ihr von meiner Erfahrung profitieren möchtet.
Ich habe auf die Seite sehr heftig reagiert, denn ich erkannte in vielem nicht nur meine Mutter, sondern auch mich - und auf das Thema Kindheit reagiere ich gern panisch und heftig.
So wühlte mich das Thema prompt so auf, dass es für mich stundenlang völlig logisch und notwendig erschien, umgehend aus dem Leben zu scheiden, um meine Kinder nicht weiter zu schädigen.
Darum:
bevor Ihr fröhlich auf die unten verlinkte Seite klickt, wäre es nützlich dafür zu sorgen, dass Euch jemand auffängt, falls die Seite bei Euch auch zu einem Absturz führt.

Ich bin glücklicherweise mit meinen Hunden in den Wald gegangen, habe mich auf einer Waldwiese unter meinen Lieblingsbaum gesesetzt, habe eine Weile vor mich hingeschluchzt und bin dann völlig erschöpft eingeschlafen.
Als ich erwachte, war es deutlich kühler, dennoch war ich nass geschwitzt und habe eine ganze Weile alle Insekten des Walldes ernährt.
Meine Hunde lagen brav neben mir.
Einer von beiden hatte aber die Leine gefressen.
Egal ...

Als ich mich aufrappelte (autsch, autsch, autsch Knochen ... Bisse/Stiche ... kalt) und nach hause ging, wurde ich dafür mit einem Gefühl belohnt, als guckte ich jemandem beim Tetris spielen zu, der es richtig gut kann.
Alle Teile fielen richtig herum gedreht an ihren Platz.

Zum ersten Mal in meinem Leben hatte ich das Gefühl, mich richtig zu erinnern und meinen Erinnerungen und Gefühlen trauen zu können.

Verrückt ...

Ich war bis oben hin angefüllt mit Wahrheiten und Sendungsbedürfnis.
Mir war danach, absolut alle Töchter narzisstischer Mütter zu "retten".
Ziemlich unerträglich, vermutlich und ich verbrachte meine Zeit hauptsächlich damit, meine Fußböden zu wischen, meine Fenster zu putzen, den Garten zu fegen und ... mein Saftfasten mit Sekt aufzupeppen.
Nicht viel, aber etwas "krampflösend".

Es war so großartig zu lesen, dass das Ganze einen Namen hat und andere Frauen das Gleiche erleben.
(wobei es mir für jede einzelne Frau Leid tut (oder auch Männer))

Bisher war ich immer die Irre, die ungeheuer gehässige Dinge über ihre Mutter sagt.
Dinge, die einfach keiner glaubt - Erinnerungen, an denen ich auch heftigst zweifelte, allein schon, weil meine Mutter mir mein Leben immer schon falsch erzählt und umgedeutet hat.
Man konnte dabei gewesen sein und erkannte weder sich noch die Erlebnisse in ihren Schilderungen wieder.

Ich hatte den Link zu einer Wikipedia-Seite über Narzisstische Persönlichkeitsstörung meiner Schwester geschickt - einer, mit der ich eigentlich nicht verwandt bin und die auch schon ein Teenager war, als sie meine Mutter kennenlernte (das Wunder der Patchwork-Familien)

Narzisstische Persönlichkeitsstörung

Mindestens fünf der folgenden Kriterien müssen vorhanden sein:


hat ein grandioses Verständnis der eigenen Wichtigkeit (übertreibt etwa Leistungen und Talente, erwartet ohne entsprechende Leistungen als überlegen anerkannt zu werden)

ist stark eingenommen von Phantasien grenzenlosen Erfolgs, Macht, Brillanz, Schönheit oder idealer Liebe

glaubt von sich, „besonders“ und einzigartig zu sein und nur von anderen besonderen oder hochgestellten Menschen (oder Institutionen) verstanden zu werden oder mit diesen verkehren zu müssen

benötigt exzessive Bewunderung

legt ein Anspruchsdenken an den Tag, d. h. hat übertriebene Erwartungen auf eine besonders günstige Behandlung oder automatisches Eingehen auf die eigenen Erwartungen

ist in zwischenmenschlichen Beziehungen ausbeuterisch, d. h. zieht Nutzen aus anderen, um eigene Ziele zu erreichen

zeigt einen Mangel an Empathie: ist nicht bereit, die Gefühle oder Bedürfnisse anderer zu erkennen / anzuerkennen oder sich mit ihnen zu identifizieren

ist häufig neidisch auf andere oder glaubt, andere seien neidisch auf ihn

zeigt arrogante, hochmütige Verhaltensweisen oder Ansichten


Da meine Schwester es auch so sieht, sage ich mal:
sie erfüllt nicht 5, sondern alle Kriterien.

Deine Mami auch?

Mein Interesse an NPS war geweckt.
Und diese Liste hatte ich noch gut weggesteckt.
Aha, Mami hat also (vermutlich) NPS - da ich kein Psychologe bin, darf ich das mal eben *patsch* sagen.
Meine Diagnose kann völlig falsch sein - mir hilft sie weiter.

Ich bekam einen weiteren Link - aber jetzt möchte ich doch so langsam um Vorsicht bitten.
Irgendwas auf den folgenden Seiten hatte mich dann nämlich erst mal so richtig von den Füßen geholt und darum solltest du Dir einen günstigen Zeitpunkt zur weiteren Lektüre suchen, falls Du Dich betroffen fühlst.

Unter http://www.narzissmus.org/hat-deine-mutter-eine-nps/ geht nämlich jemand, der kein Impressum führt, auf die Frage "Hat deine Mutter NPS?" ein.

Die Fragen werden nun deutlich konkreter und haben bei mir wohl gleich mal eine Erinnerungslawine losgetreten.

Noch einmal deutlich heftiger wird es dann auf der Seite

http://www.narzissmus.org/eigenschaften-narzisstischer-mutter/
denn nun kommen Fallbeispiele, vor denen ich mit offenem Mund, laufender Nase und tränenden Augen saß
Heftig!

Es gibt zu der Seite dann noch ein Gästebuch, das sich interessant liest.
Von der Seite nehme ich mit:

Ich bin nicht allein mit meinen Kindheitserinnerungen - andere haben ähnliches erlebt.
Erstaunlicherweise wörtlich das Gleiche.
Kurz habe ich überlegt, ob meine leibliche Schwester diese Seite betreibt, da viele Schilderungen so unglaublich meinen Erinnerungen entsprechen.

Was ich davon nun habe?
Ich wage erstmals so richtig, das Ganze "Erinnerungen" zu nennen, denn natürlich wurde mir immer gesagt, ich lüge, ich hätte eine wilde Phantasie, ich bilde mir das nur ein ...
Und endlich weiß ich:
nö, für jemanden wie meine Mutter, ist das Verhalten ganz normal und nicht völlig absurd und ungeheuerlich.

Den Rest der Seite möchte ich übrigens nicht empfehlen.
Die Autorin der Seite deutet herum und gibt Tipps.
Sie sagt, dass sie selbst die Tochter einer narzisstischen Mutter ist.
Ja, das glaube ich ihr durchaus - das Problem dabei ist nur, dass jemand, der eine derartige Kindheit erlebt hat, sehr wahrscheinlich selbst eine kapitale Macke hat.
Auch sehr salopp formuliert.

Bei einigen ihrer Deutungen und Tipps, hatte ich das ungute Gefühl, dass mir da jemand gerade wenig wohlmeinend einen reinwürgt - und wie ich nun weiß, könnte es sein, dass ich diesem unguten Gefühl sehr viel mehr vertrauen kann, als ich bisher annahm.

Darum nein, ich bin in keiner Weise an ihren Lösungen interessiert, denn es könnte gut sein, dass die Betreiberin der Seite selbst eine NPS hat.

Irgendwo auf ihrer Seite kommt nämlich der Hinweis, dass man als Tochter einer narzisstischen Mutter seine eigenen Kinder nahezu zwangsläufig auch emotional missbraucht.
Und nö, das ist Bockmist!

Einige meiner mütterlichen Verhaltensweisen vermag ich jetzt im Nachhinein ganz gut einzuordnen.
ZB. habe ich mich gern in meinem Zimmer verbarrikadiert, wenn ich übermäßig wütend war.
Tür zu und taub gestellt, bis ich nicht mehr das Verlangen hatte, meine eigenen Kinder mit Worten zu verletzen.
Dabei sandte ich wunderbare Ich-Botschaften:
"ich bin unglaublich wütend und ich will jetzt meine Ruhe haben, denn ich sehe gar nicht ein, dass ich Sachen sage, die keine Mutter je sagen sollte!"
Meine Kinder fanden mich ziemlich bescheuert.
Das ist absolut ok.
Eine Mutter, die sich gelegentlich unglaublich blöde aufführt, ist normal - das kennen alle Kinder - und das verletzt niemanden, wie wohl gezielte grandiose Kränkungen, zu denen ich durchaus fähig, aber immer nur sehr kurzzeitig willens war.

Einmal ist es schief gegangen - ich kam nicht rechtzeitig weg und sagte meiner Tochter wörtlich:
"kein Wunder, dass dich keiner mag!"
Gruselig, was?
Völlig im Recht stürmte ich aus dem Haus und fuhr in den Supermarkt einkaufen.
Meine Tochter muss damals gerade mal 8 Jahre alt gewesen sein.
Plötzlich, beim Einkaufen, endete meine Wahnphase und ich war endlich entsetzt, was ich da gesagt hatte.
Mit der Behauptung, vermutlich eine Herdplatte angelassen zu haben, ließ ich den Einkaufswagen stehen, sprang in mein Auto und fuhr nach hause um mich zu entschuldigen.
Zu meiner Überraschung hob meine Tochter ihre Hand und mein 6jähriger Sohn schlug ein.
"Das habe ich dem Alien gesagt, dass du dich gleich entschuldigst!", lachte meine Tochter fröhlich.
"Ja!", sagte ich "das ist auch ganz großer Mist, was ich da gesagt habe! Dich mögen ganz, ganz viele Menschen!"
"Ich weiß! Und weißt du, wer mich ganz besonders mag? Duuuuu!!!!", lachte sie fröhlich und ich saß dann nur noch blind vor Tränen auf der Treppe.
Ich habe mir umgehend einen Termin bei (m)einer Therapeutin geben lassen um zu erfahren, ob ich mein armes Kind nicht doch für ewig traumatisiert hätte und sie erklärte mir, dass es natürlich falsch ist, so etwas zu seinem Kind zu sagen, dass aber alle Eltern Fehler machen und das das auch völlig ok sei, wenn das Verhältnis ansonsten stabil ist.

Meine Kinder sind beide erwachsen.
Bestimmt war ich keine perfekte Mutter, aber meine "Ernte" sind 2 Kinder, die gern bei mir sind.
(weitere Beschreibungen, wie unglaublich toll meine Kinder sind, lasse ich bewusst weg :)
Meine Prinzessin kommt mich gern besuchen.
Der Alien wohnt noch hier und findet mich natürlich unsäglich blöde - die Endphase des Zusammenlebens halt ...
Aber an sehr vielen Gesten merke ich, dass unser Umgang für ihn insgesamt schön ist.
(nö, ich werde keine Beispiele bringen, denn die Privatsphäre meiner Kinder sollte gewahrt blieben)

Wer mit so einer Mutter aufwächst, läuft Gefahr zu überkompensieren.
Meine Schwester hat sich immer wie eine Löwin vor ihre Kinder gestellt.
Evtl. ist das erst einmal viel besser, als eine Mutter, der man immer und überall peinlich ist ... aber im Endeffekt ist es auch sehr belastend, wenn man so gar keine Fehler haben darf.
Ich weiß noch, dass mein Neffe mal meinen Autoschlüssel versteckt hatte und ihn dann nicht mehr fand.
Er hatte wohl den Pumuckel gespielt, den er so gerne sah.
Ich musste dringend weg und wir beide suchten fieberhaft überall meinen Schlüssel.
Mein Neffe war ein unglaublich süßer Fratz und ich hatte ihn sehr gern.
Ich schimpfte auch nicht, hatte aber einen Termin und so war das Auffinden meines Schlüssels wichtig.
Wir suchten - alles war gut - irgendwo musste der Schlüssel ja sein - alles war gut, bis meine Schwester mitbekam, dass wir den Schlüssel suchten.
"so etwas Schreckliches würde mein Sohn niemals tun!"
*bamm*
"wie kannst ud meinem Sohn so etwas Schreckliches unterstellen!"
*bamm*
Jetzt war ich nicht nur die mit dem dringenden Termin und ohne Schlüssel - ich war auch noch das Monster, das dem entzückenden Kind etwas Schreckliches unterstellte.
Du meine Güte ...
Es gab einen irren Ärger.
Meine Schwester ließ eine irre Wut an mir ab und ich kam mir vor, wie in einem ganz ganz falschen Film.
Sie inszenierte sich selbst als das arme Opfer, deren Kinder ich gerade regelrech lynchen wollte und die sie nun heldenhaft vor mir in Schutz nehmen musste.
Waren wir eben noch fröhlich in Meister Eders Werstatt unterwegs gewesen, wo mein Pumuckel-Neffe einen Schlüssel versteckt hatte, lief nun Psycho - die Szene unter der Dusche.
Plötzlich fand mein Väterchen meinen Schlüssel unter meiner Handtasche auf dem Schuhschrank.
Die Sache ist:
das ist der Ort, wo ich den Schlüssel immer hinlegte.
das ist der Ort, wo mein Neffe den Schlüssel wegnahm.
Während bei uns Psycho lief, Shining, Tanz der Teufel - sucht euch einen aus ...
hatte mein Neffe dann wohl meinen Schlüssel gefunden und schnell wieder unter meine Tasche gelegt.

Du meine Güte ... wir hätte uns gemeinsam freuen können.
Ich hätte seine Sucher/Finder- Qualitäten gelobt.
Aber stattdessen tobte nun ein Krieg und der arme Junge wagte nicht zu sagen, dass er in aller Unschuld sehr wohl "so etwas Schreckliches!!!" getan hatte, wie meinen Autoschlüssel zu verstecken.

Mein Väterchen fand meinen Schlüssel, als er am naheliegendsten Ort - nämlich dort, wo der Schlüssel immer war - nachsah.
Mir wurde vorgeworfen, zu blöde zu sein, richtig nachzusehen und dann auch noch den armen Jungen so fürchterlich zu verdächtigen!!!

Dem armen Jungen war damit dann übrigens seine Tante so ziemlich abhanden gekommen, denn ich ging auf Abstand.
Nicht zu ihm, aber zu meiner Schwester, der Löwenmutter.
"Mein Sohn würde so etwas niemals tun. Mein Sohn würde so einen Fehler sofort gestehen!"
Sie hatte ihn nicht gefragt, bevor sie diese wahnsinnig großen Worte sprach.
Sie fragte ihn danach und oh Wunder, er hatte das Schreckliche nicht getan ... und wie gesagt, er legte den Schlüssel heimlich wieder an seinen Platz. *

Im Beisein meiner Mutter und Schwester hatte ich immer das Gefühl, als wäre ich Elizabeth Walton, die irrtümlich im Denver Clan gelandet war.

Ich verließ das Haus unter einem Schwall von "sie hat immer schon so gelogen!" und Herzrasen.
Aber dennoch bin ich dankbar, denn für meine Kinder hatte ich daraus etwas gelernt:
ich ließ die Kirchen in ihren Dörfern ... und legte die Latten, Dinge einzugestehen, nie besonders hoch.

Damit hatten meine Kinder das Recht, Scheiße zu bauen, sich dafür zu entschuldigen und die Konsequenzen zu tragen, ohne dass Mami auch nur ansatzweise enttäuscht war.
Wütend, aufgebracht, Ersatz fordernd ... ja ... aber niemals enttäuscht ... und nie wurden die Vorfälle zu "so etwas Schreckliches!" aufgebauscht.


...

Ja, das war jetzt so ca. das, was mich zuletzt bewegt hat und was weiterhin gärt.
Wer Freundinnen hat, die ebenfalls unter einer Mutter leiden, die ihr persönlich vielleicht absolut entzückend findet und die eure Freundin aber als halbes Monster schildert, zeigt ihr evtl. auch mal die Seite über NPS.

Ich habe immer noch dieses ungläubige Staunen, dass nicht ich der schlechte Mensch bin, der der eigenen Mutter immer so Ungeheuerliches unterstellt hat.
Ich hatte immer das vage Gefühl, total zu übertreiben, undankbar zu sein, lieblos - ich meine, die eigene Mutter ???
Wie kann man denn nur so von der eigenen Mutter denken?
Da muss doch irgendwas mit mir völlig falsch laufen!
Und dann hat das Ganze einen Namen und ich bin gar kein kaltherziger, berechnender, undankbarer Einzelfall.

Der Wahnsinn ...

Und nein:
ich habe absolut nicht vor, meine Mutter mit meinen Wahrheiten zu konfrontieren.
Im Gegenteil:
jetzt, wo ich weiß, dass es eine Krankheit ist, fällt es mir leicht, ihr zu geben was sie braucht.
Früher hatte ich immer das Gefühl zu heucheln, wenn ich nett zu ihr war.

Jetzt höre ich an ihrer Stimme, was sie gerne haben möchte und gebe es ihr.
Bewunderung, Zerknirschung, Anerkennung, Mitgefühl ...

Ach so, warum ich sie nie als Narzissten erkannt habe?!

Ganz einfach:
die glitzernde Kennenlernphase, die man mit narzisstischen Männern erlebt, fiel weg.
So lange ich mich erinnern kann, war mir meine Mutter immer widerlich.
Bei uns herrschte immer eine Stimmung der Angst, des Drucks, wenn sie im Haus war.
Die Phase, in der Narzissten anfangen, bösartig zu werden, nutze ich sonst immer schon beim ersten Anzeichen zur Flucht.
Der eigenen Mutter ist man dagegen leider auf ewig ausgeliefert.