Worum es hier geht

Mittwoch, 23. September 2015

Und täglich kämpft das Faultier

Morgennebel, Abendnebel, Bodennebel, Nebelschwaden ... und Reeeegen.
Und so viel Dunkel.
Es ist wieder so weit:
um mich herum wabern milde Herbstdepressionen, immer bereit, mich in ein verfressenes, träges Faultier zu verwandeln.
Gestern habe ich mir abends Schokopudding gekocht und ich glaube, damit habe ich das erste Lächeln des Tages in mein kugelrundes Gesicht gezaubert.

Es ist eigentlich erst ein paar Tage her, dass ich dachte, Sport und gesunde Ernährung seien mir mittlerweile ein so tiefes Bedürfnis, dass das Erschlanken nun quasi auf Autopilot ganz nebenbei geschehen würde.

Falsch gedacht!

Nun ist es wieder ein täglicher Kampf, dem ich mich aber nicht unbedingt täglich stelle.

Da ich für depressive Phasen sehr empfänglich bin, achte ich aber sehr darauf, nett zu mir zu sein, denn sonst wird aus dem trägen Faultier plötzlich ein verzweifeltes, klägliches Pfützchen, das allein durch sein breites Gesäß davor bewahrt wird, durch den nächsten Gulli ins finstere Tal zu flutschen.

Ich kämpfe beharrlich um einen Tagesablauf.
Vormittags steht zum Beispiel "im Wald mit den Hunden joggen gehen" auf dem Plan.
Nicht joggen zu gehen, kann aber gern schon mal 4 - 5 Stunden in Anspruch nehmen und den restlichen Plan arg zusammen schmelzen lassen.
Es ist, wie durch Sirup waten ... Staubsaugen kostet 15 Minuten Zeit.
Aber das davor stattfindende "nicht staubsaugen" kostet locker 60 Minuten Zeit.

Immerhin schaffte ich gestern auch den Punkt "anstehende Anrufe tätigen" und "zum Fischstand fahren, Fisch kaufen".

Eigentlich bin ich ein effizient handelnder Mensch, aber Herbst und Winter können tückisch sein und mir eine Art Bremsspur unter die Füße zaubern. Es erscheint mir derzeit einfacher, in hektischen Zeiten dem Sport und der Ernährung eine Priorität zu geben, als jetzt.
Aber ich bleibe dran.
Meine Joggingrunde habe ich jetzt etwas verkürzt.
Damit sie mich im Vorfeld nicht so einschüchtert, laufe ich derzeit eine Strecke die nur etwa ein Drittel des langen Rundwegs ausmacht. Um nicht unbemerkt wieder abzurutschen, wiege ich mich täglich und freue mich eigentlich auch täglich, nun um die 93 zu kreisen, statt wie im Vorjahr um die 110.

Vorgestern hatte ich auch noch ein Erfolgserlebnis der unerwarteten Art.
Ich kaufte eine neue Jeans bei C & A.
Mir fiel ein Modell namens "the skinny" ins Auge und ich probierte sie in einer 48 Kurzgröße an.
Zu weit.
46 kurz
Zu weit.
44 kurz
ging zu!

Etwas fassungslos ging ich zur Kasse und kaufte mir eine Jeans in einer Größe 44.
Letztes Jahr stand ich vor diesem Jeansregal und versank in Selbsthass, weil ich für das komplette Regal zu dick geworden war.

Doch ja, ich liebe das Leben.
Derzeit nur eben etwas ... gemächlicher, kraftloser und mit latenten Pudding-Träumen, die gelegentlich in Erfüllung gehen ...

Freitag, 18. September 2015

der Abnehmkurs

Gestern stand ich vor einem großen Gebäudekomplex, drehte mich im Kreis und suchte den richtigen Eingang.
Da sprach mich eine Dame freundlich an:
"Sie suchen sicher den Abnehmkurs?!"
*seufz*

Suchte ich nicht ...
Und wie kam sie nur auf die Idee???
pft

Aber ich strahlte sie an, denn sie meinte es nicht böse und durch mein Strahlen kam sie gar nicht weiter auf die Idee, dass ich ihr gern in die Nase gebissen hätte.

Viel später am Tag gab ich ein gefühltes Vermögen (mein Konto fühlt mit) für atmungsaktive Sportpullis und Sport-BHs aus.
Zudem erstand ich einen ganz erstaunlich teuren, atmungsaktiven Müllsack.
Sieht jedenfalls so aus, stellt aber eine Regenjacke dar, die keine Saunawirkung haben soll.
Noch ist sie einen Tick zu Eng.
In Kürze sitzt sie entweder schön locker - oder ich passe gar nicht mehr rein ...

Diese Einkäufe hatte ich schon vor der Begegnung mit der hilfsbereiten Dame vor dem Haus geplant.

Im Haus selbst wurde ich dann übrigens mit Komplimenten überschüttet, wie unglaublich fantastisch schlank ich jetzt aussähe - nahezu magersüchtig!
Ok, da ich die Jüngste unter den Ehrenamtlichen bin, beteuerte ich bei den anderen Damen Dinge wie "total erholt, siehst du aus!" und anderes, das auf sichtbare Verjüngung meines Gegenübers abzielte.

Eine Sache, die ich so an der Flüchtlingshilfe liebe:
das Miteinander mit den anderen Ehrenamtlichen!

Man ist halt irgendwie auf einer Wellenlänge.
Und es tat auch gut, Sorgen und Befürchtungen äußern zu können.

Die Erstaufnahme-Unterkunft in Neumünster platzt aus allen Nähten (3.200 statt 1.900 Flüchtlinge) und stellt sowohl die Flüchtlinge, als auch die Anwohner hart auf die Probe. Während wir bei einem sehr heftigen Gewitter gemütlich Kaffee tranken und den 1. Cafe-Termin planten, standen die Flüchtlinge in langen Reihen auch quer über den Hof für das Essen in der Unterkunft an. Viele von ihnen haben weder Regenkleidung, noch Kleidung zum Wechseln und schon gar keine Möglichkeit, nass geregnete Kleidung zum Trocknen aufzuhängen.
Nur so, als Einzelbeispiel.

Und für die Anwohner?
Tja, da es nun unglaublich eng in der Unterkunft zugeht und weil sie nun einfach unglaublich viel mehr Menschen in der Unterkunft sind, spazieren nun auch immer mehr Menschen die Straße zur Innenstadt entlang.
Weiter tun sie eigentlich nichts, als in Grüppchen eine Straße entlang zu gehen.
Viele grüßen jeden freundlich, der ihnen entgegen kommt.
Ich wurde gestern 3 Mal freundlich gegrüßt und einmal von jungen Männern übersehen, die gerade in Telefonate vertieft waren.
Ein gutes Stück vor mir ging eine ältere Dame mit einer Einkaufstasche.
Jedem Grüppchen wich sie aus.
Als ich sie eingeholt hatte, fragte ich "ist hier jeden Tag so viel los?"
"Oh ja", seufzte sie.
"Aber die wollen einem ja nichts Böses!", sagte sie schnell. "Ich habe einfach nur Angst, umgerannt zu werden. Ich sehe so schlecht!"
Die Frau war wirklich tough, erzählte mir, wie sie als Kind den Krieg erlebt hat.
Verständnis ist vorhanden - aber angenehm ist es dennoch nicht.
Zweimal kam ein Polizeiauto durch die Straße gefahren.
Vermutlich ist diese Präsenz eine gute Idee.
Nicht, weil viel passiert, aber weil diese Präsenz den Anwohnern evtl. ein Gefühl von Sicherheit gibt?
Ich weiß es nicht.

Ich halte einfach nichts von der Massenhaltung ... die ist nicht artgerecht ...

Unser Cafe ist mittlerweile nur eine von ganz vielen Flüchtlingsinitiativen in Neumünster und ich bin darin auch nur eine von vielen und absolut nicht wichtig :)
Andere sind da deutlich engagierter.
Ich erwähne das für Menschen, die im Grunde gern helfen würden, aber nicht viel Zeit haben.
Das geht ;-)

Nachtrag:
Meine Zahlen von gestern sind schon nicht mehr aktuell:
in der Aufnahmeeinrichtung, die für 1.900 Menschen ausgelegt ist, befinden sich mittlerweile 3.700 Flüchtlinge.
-> Ende des Notstands ist nicht in Sicht

Donnerstag, 17. September 2015

jede Menge Alltag ...

Derzeit steppt der berühmte Bär und ich habe jede Menge zu tun.
Was mich dabei ungemein freut:
ich ziehe es durch und gebe meinem Sport eine Priorität!
Und die Ernährung läuft Dank Ofengemüse nebenbei Low Carb weiter.
Dank der Saftphase, bin ich Getreideprodukte wohl gut "entwöhnt", denn mich packt keinerlei Heißhunger in dieser Richtung.
Allerdings hat sich eine sehr späte Mahlzeit eingeschlichen, gegen 23 Uhr, die ich dringend wieder abschaffen muss.
Wie mir die Waage zeigt, kann man nämlich auch trotz Low Carb und hinreichend Bewegung einen Gewichtsstillstand erreichen.

Neu:
ich muss mich nicht mehr durch Tricks wie den Schrittzähler zu Bewegung motivieren.
Mittlerweile - oder - derzeit ist es mir ein echtes Bedürfnis.
Ein Problem war es, Joggen zu gehen, als auch meine Tochter hier war.
Ich hatte ständig das Gefühl, die beiden bekochen zu müssen, bemuttern zu müssen ... etc.
Oder ich bei den innergeschwisterlichen Liebenswürdigkeiten schützend dazwischen zu werfen.
Joggen ist die bessere Idee!

Und ein Waterloo-Erlebnis:

gestern war ich joggen, befand mich im Auto und mit den Hunden auf dem Rückweg, als mir siedend heiß einfiel, was ich noch einkaufen müsste. Also zog ich schnell eine Jeans über und sprang verschwitzt und ungeschminkt noch eben in den Supermarkt.
Und natürlich stand an der Kasse dann genau die Frau hinter mir, von der ich vor 2 Jahren kommentarlos abserviert wurde.
Von "zweimal wöchentlich Kaffee und was sind wir doch für tolle Freundinnen" auf "oh, ich habe leider keine Zeit, da ich gerade Wasser aufgesetzt habe!" an meinem Geburtstag!

"Hallo!"
Toll: sie schlank, top zurecht gemacht, mit wieder neuem "diesmal garantiert der Richtige!" Mann an der Seite und "bin ich nicht einfach entzückend?!"-Lächeln im Gesicht,
während sich von mir noch vereinzelt Erdbröckchen, Regentropfen und Schweiß lösten ...
Oje, und dann auch noch so ein doofer Zopf - im Nacken ein Gummi in Pink, dann geflochten und dann noch ein Gummi in hellblau.
Total erwachsen und sexy
"Hallo!"

Ha!
Immerhin waren meine Einkäufe durchweg vegan, gesund und kein "das erklärt alles!" dabei.
Dass die Frau den 20 kg Unterschied bemerkt, möchte ich bezweifeln.
In ihrem Kopf gibt es die Schublade "schlank" und darüber die Schublade "indiskutabel".

Ja, alles sehr albern und oberflächlich und unwichtig und bin ich eigentlich noch in der Pubertät???
Aber den Rest des Tages knurrte ich
"Oh, ich habe Sybille gesehen ... Mann, sah die wieder Sch ... aus!"




Montag, 14. September 2015

Essen nach/zwischen den Saftphasen

Ich habe immer wieder erfahren dürfen, dass ich mit Low Carb, also ganz grob gesagt, dem Verzicht auf Weizenmehl(produkte) Gewicht verlieren kann.
Man kann Low Carb tolle Sachen kochen oder es sich evtl. auch durch "Magic Soup - die magische Kohlsuppe" recht schnell für immer verderben.

Man kann bei Low Carb recht überzeugend konventionelle Rezepte nachkochen.
Zum Beispiel mit einem Spiralschneider Spaghetti aus gelben Zucchini drehen, sich dazu eine leckere Soße kochen und "fast normal" essen.
Evtl. auch einfach ein paar "echte Spaghetti" dazu mengen, denn es heißt ja Low Carb und nicht No Carb.

Man kann Weißkohl fein raspeln, mit wenig Fett in einer Pfanne garen und als Reis-Ersatz servieren.
Man kann Blumenkohl fein raspeln und wie Bulgur/CousCous einsetzten: Blumenkohl-Kisir

Die Krux ist nur:
es kostet mehr Zeit
Hauptsächlich, weil man eben Jahre oder Jahrzehnte lang anders gekocht ist und in diesem anders einfach mehr Routine und spontane Ideen.

Das habe ich gerade bei Esmi wieder gelesen. Kaum wird es stressig, bleibt keine Zeit für Low Carb.

Es gibt wunderbare Low Carb Rezeptsammlungen und -Ideen im Internet.
Was ich jetzt noch zufügen kann, ist also nur ein:
Wie ich Low Carb in meinen Alltag integrieren kann:

1. keep it simple! Halte es einfach!
Je schneller man einfache, aber nicht als Strafe empfundene Low Carb Mahlzeiten für sich entdeckt hat, desto besser, da man diese dann auch bei Stress schnell und nebenbei zubereiten kann.

Bei mir ist das: Gemüse aus dem Backofen

2. keep it preiswert ;-)
Ja, Steak, Lachsfilet, Rinderfilet etc ist wunderbar Low Carb, macht Dich aber nicht nur schlank, sondern leider auch pleite.
Also braucht man preiswerte Alternativen.

Bei mir ist das: Gemüse aus dem Backofen

Während ich über die Jahre Rezepte in meine Low Carb Rezeptrubrik sortierte, fielen mir nämlich immer wieder Rezepte auf, in denen irgendein Gemüse nicht gekocht, sondern gebacken wurde.

zB

gebackener Blumenkohl

grüner Spargel im Bacon-Mantel

roasted Asparagus

Auberginen-Mini-Pizza

Möhren-Fritten

Weißkohlscheiben aus dem Ofen

Kürbisspalten aus dem Backofen

Irgendwann fiel der Groschen:
ich kann eigentlich jedes Gemüse auf ein Backblech legen, bei 200° Ober-Unterhitze für 30 Minuten in den Ofen schubsen, derweil weiter arbeiten und habe dann ein ganzes Blech voll Low Carb Essen!
Umluft trocknet aus, daher Ober-Unterhitze - oder grillen, dann aber die Zeit verkürzen.

Je nach Lust und Laune kann ich noch Käse über mein Gemüse raspeln und/oder eine leckere Soße dazu bereiten.

Was leckere Low Carb Soßen angeht, bin ich ausgerechnet dem Veganer Attila Hildmann für seine Kochbücher sehr dankbar.
Ich habe vor Jahren einmal die "30 Tage Vegan"-Challenge ausprobiert und sein "Vegan for fit" Kochbuch dazu gekauft.
Sagen wir es so:
aus mir wurde kein Veganer, aber ich habe noch 2 weitere Kochbücher von Attila Hildmann gekauft, denn er hat sehr leckere, innovative Ideen.
Statt konventionelle Rezepte auf Vegan zu übersetzen, geht er einfach neue Wege.
Und so findet man keine Rezepte, in denen Leckeres durch eine langweilige aber vegane Alternative ersetzt wurde, sondern eine Welt voll neuer Rezepte.
(und das sage ich, nach 20 Jahren Rezepte Sammeln für die Hausfrauenseite ;-)
Einer veganen Soße verpasst er keine vegane Mehlschwitze - Vegan for Fit ist low carb - sondern er rührt Soßen aus Mandel- oder Nussmus an.
Und das geht nicht nur schneller als eine herkömmliche Mehlschwitze, sondern hält geschmacklich locker mit!
Kein Scherz.
Wer hier Geld sparen möchte, kauft einfach "Erdnussbutter" - wer es edel möchte, kauft im BioLaden Cashewnusskernmus oder Mandelmus.
Davon nimmt man nun einen dicken Esslöffel - ca 40 Gramm - in einen Topf, fügt ca das Doppelte an Wasser hinzu - ca. 100 ml.
Erwärmt das Ganze und rührt dabei darin herum, bis die Soße glatt wird.
Nun kann man noch nach Geschmack mit Salz, Pfeffer, Zitronensaft, Chillie, Kräutern ... oder ... würzen.
Als ich das erstmals ausprobierte, war ich nicht schlecht überrascht, dass diese Soße sämig wird - daher mein Vergleich mit der Mehlschwitze.
Anders als Herr Hildmann kann man auch noch geraspelten Parmesan oder Frischkäse oder ... zufügen - muss man aber nicht.
Diese Mus-Soßen begeistern mich total und sind eben nicht "naja, wenn es schlank macht ..." sondern echt lecker!

Ich koche oft und gern vegan.
Das trifft sich gut, nachdem mein Alien mir völlig überraschend mitteilte, dass er nun Veganer sei.
Wie überraschend und lustig das ist, versteht jeder, der ihn noch vor den Sommerferien kannte, da er absolut dem "Fleisch ist mein Gemüse!"-Typen entsprach und absolut genervt auf jeden Versuch reagierte, Ernährung zum Thema machen zu wollen.
Allerdings koche ich einfach deshalb gut und gern vegan, um dann bei meinem Verbrauch von tierischen Produkten ausschließlich zu erstklassiger Ware zu greifen.
Bio, Transfair, möglichst artgerechte Haltung, möglichst regional, frisch vom Markt.
Erst hatte ich überlegt, mich genau wie mein Sohn jetzt auch komplett vegan zu ernähren, aber ... nö :)
Es macht einfach zu viel Spaß, ihn all die Veganer-Argumente herunter beten zu lassen und ihn ein wenig zu foppen.

"Kannst du bitte Mich mitbringen?!"
"Und schon weint irgendwo ein durstiges Kälbchen!"
"Kein Problem, dann esse ich das heute Mittag!"


Ich meine, ich bin die Mutti, die er für jeden völlig überteuerten BioFleisch Einkauf ausgelacht hat, während er noch beim Aldi das lecker marinierte Grillfleisch im Sonderangebot shoppte.
Schön rot mariniertes Fleisch in Schmutzatmosphäre - sicherlich absolut vertrauenswürdig und artgerecht ...

Egal - zurück zu Low Carb schnell und einfach
Es klingt evtl. eintönig, ständig ein Backblech mit Gemüse zu füllen, ist es aber absolut nicht.
Und schon gar nicht, wenn man gerade eine Saftfastenphase hinter sich hat.
Der Vorteil ist:
ich brauche keinen Einkaufszettel!
Beim Einkaufen gucke ich einfach, welches Gemüse mich gerade anlacht, gerade lecker aussieht, gerade preiswert ist, gerade vorhanden ist - und greife zu.
Wenn ich Lust und Zeit habe, bereite ich ein echtes Low Carb Rezept zu - wenn nicht, wird alles einfach geputzt und ab auf ein gefettetes Blech oder Backpapier.

Und wenn ich für die Soße keine Zeit habe, kann ich auch einfach Frischkäse nehmen, oder Sahne und etwas Parmesan über das fertige Gemüse geben, oder Soja cremefit oder oder oder.

Beim Gemüse achte ich übrigens nicht auf die Low Carb Regeln - ich glaube, irgendwas spricht je nach "Religion" gegen Karotten, Kartoffeln oder Kürbisse. Kartoffeln setze ich auch nur sehr sparsam ein und überlasse sie meist dem Alien.

So, das war es jetzt erst einmal - künftig kommen dann konkrete Vorschläge und Rezepte dazu.
Und an meinem Gewichtsverlauf kann ich dann selbst sehen, ob und was meine "Hauruck-Methode" taugt ;-)

Sonntag, 13. September 2015

der innere Schweinehund ...

Dear doofer Schweinehund ...

Habt Ihr auch das Aufreger-Video aus den USA gesehen?
"Dear fat people!"



Also, bevor Ihr es anklickt:
Es heißt "Liebe fette Leute!" und soll Comedy sein, von einer schlanken Frau.
Humor auf Kosten Dicker - wer gerade eh eine Selbsthass-Phase hat, sollte es nicht anklicken!
Ich habe es mir angesehen und musste auch ein paar Mal lachen, denn immerhin kann Nicole ganz niedlich mit den Augen rollen und sie erzählt da nichts, was sich eine geübte Dicke nicht gelegentlich schon selbst an den Kopf (oder Bauch) geworfen hat.

Relativ am Anfang zeigt sie, wie es wohl aussähe, wenn irgendwelche dicken Menschen sie verfolgen wollten.
Es folgt langsamer Zombie-Walk mit ausgestreckten Armen, denen sie leicht entkommen kann, indem sie etwas schneller geht.

Sie hat ja keine Ahnung ...
Ausgestreckte Arme ... viel zu anstrengend ... !

Ich würde auf die etwas später folgende Flugzeug-Szene warten, beherzt den Sitz verwechselnd auf ihr Platz nehmen, bei der freundlichen Flugbegleiterin nach einer Gurtverlängerung fragen und mein trauriges Versehen dann 12 Stunden später nach der Landung erst bemerken.
Oh, arme dünne Nicole, jetzt ist sie platt!

Nun, ich kann mich weder über Witze über Dicke, noch über Dünne groß aufregen.
Ich finde auch nicht, dass "richtige Frauen" ein paar Pfunde mehr brauchen, an "richtigen Frauen" was dran sein muss oder Dünne aussehen, als würden sie beim Duschen durch den Gully flutschen, man sie füttern solle oder wie wie Bügelbretter mit 2 Druckknöpfen aussehen oder oder oder ...

Die Kommentare unter dem Video sind mittlerweile weg, aber es fanden sich dort erstaunlich viele Kommentare, in denen das Aussehen von Nicole mehr oder weniger witzig niedergemacht wurde.
Die hässliche Kuh solle gefälligst bodypositive sein ;-)

Ja, immer wieder schön und wohl sehr menschlich, dass man Menschen nicht für das kritisiert, was gerade nervt, sondern ... "hey, es ist eine Frau: nehmen wir ihre Schönheit, Figur, Jugend, Mütterlichkeit oder Beziehungsstatus.
"kein Wunder, dass du keinen abbekommst!"
Eine Beleidigung, die viele Frauen in gruseligen Beziehungen ausharren lässt ... alles ist besser als "keinen abbekommen" zu haben.

Egal

Ich wollte mich eigentlich über meinen eigenen inneren Schweinehund aufregen.

Eigentlich geht es mir wunderbar:

Nach der Saftphase habe ich darauf geachtet, mich viel zu bewegen und möglichst Low Carb zu leben.
Zu meiner eigenen Verwunderung klappte das so gut, dass mir die Waage am Tag nachdem ich mein Töchterlein wieder in ihre eigene Wohnung gebracht hatte, eine 92 kg präsentierte.
Cool!
Ich hatte also nicht nur nicht drastisch zugenommen, sondern war fast wieder bei meinem -20kg-Stand aus der Saftphase.

Leider kam ich nicht zum Bloggen.
Will sagen: ich versumpfte ein wenig.
Es gibt so Tage ... vorzugsweise "Die Tage" ... an denen ich keinerlei Energie habe.
Dafür so ein ungutes, bestimmt ganz übel erkältetes Kratzen im Hals, leichtes Schwindelgefühl und das sichere Gefühl, garantiert ohnmächtig im Wald zusammenzubrechen, wenn ich jetzt auch noch joggen gehe.
Dagegen hilft übrigens nur Schokolade, Chips und Likör:
93,3 kg!

Mit etwas Selbstsabotage schaffe ich es, erst so irrsinnig spät schlafen zu gehen, dass ich am nächsten Tag einfach "matschig" bin und mir das dann selbst auch noch als nahende Grippe verkaufe.
Gestern sinnierte ich, dass es jetzt einfach zu kalt ist um im T-Shirt zu joggen.
Aber gleichzeitig zu warm um im T-Shirt und Jacke zu joggen.
Genau:
ich brauche passende Sportpullis ohne Rundhalsausschnitt!
Bis dahin könnte ich leider nicht joggen!
Also, beim besten Willen!
Oh, und leider ist ja nun Wochenende ...

Keine Bange:
ich habe es geschafft, mir vorhin in den trägen Hintern zu treten und einfach meine Sportjacke über den Sport-BH zu ziehen und mein Joggen zu erledigen.
Das macht derzeit eh Spaß, weil ich überall dicke Brombeeren finde und weiterhin in so moderatem Tempo unterwegs bin, dass ich dabei problemlos Brombeeren pflücken und futtern kann ...


Mittlerweile jogge ich im 50:50 Intervall -
50 Schritte gehen, 50 Schritte joggen
(da ich immer auf einem Bein zähle, sind es eigentlich 100:100 Schritte)
Das funktioniert bei mir wunderbar.
50 Schritte schafft man irgendwie immer ... und mittlerweile lassen sich meine Füße auch besser heben.
Die Sache mit den Krämpfen und Schmerzen ist ausgestanden.
Ich ächze nur noch gelegentlich, wenn ich mich so im Alltag setze oder wieder aufstehe.

Immer, wenn ich mich gerade selbst für meine Sportlichkeit bewundere, produziere ich meine ganz eigenen "dear fat people!"-Momente. So ist vorhin meine Jogginghose plötzlich aber entschieden einmal unter meinen Bauchspeck gerollt, was mich ganz nett aus meiner Selbstherrlichkeit gerissen hat.
Immerhin habe ich mich gerächt und diese Jogginghose an den Oberschenkelinnenseiten so aufgerieben, dass ich sie soeben nur noch in den Müll werfen konnte.
Die Zahl der Baumwoll-Leggins, die ich zum Joggen benutze, schmilzt dahin und ich habe mir jetzt auch schon 2 "richtige" Sporthosen gekauft.
Noch bin ich bei diesen Einkäufen etwas gehemmt.
Kaum gehe ich in solche Läden, fühle ich mich wie in diesem
"ein Teil ist anders, ein Teil passt nicht dazu!"
Der Kohlkopf zwischen 2 Barbies ...

Andererseits fasziniert und rührt mich die Erkenntnis, dass ich tatsächlich mehr Sportkleidung brauche.
Keine Anschaffung für gute Vorsätze, sondern für neue/alte Gewohnheiten.

Montag, 7. September 2015

Weiter geht es ...

Unser Flieger startete mit gut 2 Stunden Verspätung in Wien und wir nutzten die Zeit, um noch den letzten offenen Punkt auf der Wien-To-Do-Liste abzuhaken:
Sacher Torte
Im Duty Free Bereich ...
Na, ich glaube, da ist die Sacher Torte, die ich gelegentlich backe, näher am Original dran, aber lecker war auch dieses schokoladige Dings.

Wir haben in den 5 Tagen nur einen Bruchteil von Wien gesehen, was daran liegt, dass wir im Urlaub gern bequeme Langschläfer und Gewohnheitstiere sind.
So standen wir morgens immer so auf, dass ich gerade noch runter in den Frühstücksraum huschen und uns jedem ein Kännchen Kaffee "zapfen" konnte, das wir dann gemütlich im Bett tranken, bevor wir dann über den Naschmarkt bummelten, der zwischen uns und der nächsten U-Bahnstation lag.

Ach, und wenn man doch schon mal auf dem Naschmarkt war ...
Entgegen aller Prognosen war das Wetter wunderbar. Wenn überhaupt, regnete es abends oder es gab so eine Art Sprühregen, den wir nicht weiter ernst nahmen.
Schloss Schönbrunn und das Prater Riesenrad sind 2 Punkte, die man in Wien wohl mal erledigen muss, aber ein wahrer Genuss sind sie nicht. Schloss Schönbrunn ist perfekt.
Sauber, ordentlich, stamm organisiert und sauteuer.
Stimmung kommt dort keine auf und wie Sisi fühlten wir uns dort nicht heimisch.
Alles, was irgendwie schön und reizvoll ist, befindet sich entweder hinter Glas, Absperrseilen, Absperrgittern und wenn man sich etwas über eines der Seile beugt, ertönt ein lauter Warnton.
Im Park geht es ähnlich weiter.
Wir ließen brav viel Geld dort, hakten es auf unserer Liste ab und flohen zurück zum Naschmarkt, auf dem es wunderbar bunte Multikulti-Küche gibt.

Das Riesenrad - ebenfalls teuer und noch dazu habe ich panische Angst in allem, was hoch geht.
Leicht absurd, aber genau wie in London zahlte ich brav viel Geld, wartete geduldig, dass wir hinein kamen und panisch, dass wir wieder hinaus kamen.
Aber der Ausblick war prima.

Danach verließen wir den Prater schleunigst wieder und suchten/fanden das Hundertwasserhaus.
Danach den Flughafen :)

Insgesamt hat mir Wien sagenhaft gut gefallen, aber ich hatte ununterbrochen das beklommene Gefühl, meine Ernährung gerade mal so gar nicht im Griff zu haben. Wir schienen ständig und zu viel zu essen.
Und zu trinken.
Kaffee, Spritzer und eher misslungene Mojitos.
Aber manchmal reicht ja einfach ein Glas mit Eiswürfeln, Alkohol und gutem Willen :)

In unserem Reiseführer hatten wir einen Rundweg gefunden, der der richtige für uns zu sein schien und uns von einem Kaffeehaus zum nächsten führte. Für uns endete er in der Albertina.
Überhaupt kamen wir an kaum einem Museum vorbei - durch unseren späten, morgendlichen Aufbruch aber gleichzeitig auch in viel weniger Museen hinein, als gewünscht.
Im Endeffekt sahen wir den Beethovenfries, die Albertina und das Leopoldmuseum - wobei wir die letzten 2 Etagen des Leopoldmuseums nicht zu sehen bekamen, da man dort schloss.
Es folgte noch eine Stunde in der Buchhandlung König, da es gerade doch mal ernsthafter regnete und Buchhandlungen lieben wir auch.

Ah, und die Oper ....
Wir waren hin und weg.
Das Gebäude ist schon wunderschön, die Stimmung und dann der Rigoletto.
Ein Traum!

Heute Morgen bin ich fast trotzig auf die Waage gestiegen.
Fast sicher, täglich ein Kilo zugenommen zu haben oder so etwas Gruseliges.
Als es dann nur 100 Gramm waren, rieb ich mir etwas ungläubig die Augen, stieg von der Waage, probierte es erneut und wieder:
92,9 kg

Ok, dann mache ich mal so ca. da weiter, wo ich letzte Woche aufgehört hatte :)
Nur ausgeruhter.
Und noch von all meinem Nachwuchs umgeben, denn die Prinzessin bleibt noch bis Mittwoch hier und der Alien ist übrigens immer noch Veganer.

Donnerstag, 3. September 2015

Wien, Wien ...

Ach war das schön, im Flugzeug Platz zu nehmen, den Gurt zu schließen und sich völlig auf die Flugangst zu konzentrieren.
Ich wusste gar nicht, welche Flugangst ich eigentlich habe, weil ich bisher immer damit beschäftigt war zu fürchten, dass ich nun endgültig zu dick für den Gurt geworden bin und laut um eine Gurtverlängerung bitten müsste.
(So weit war es noch nie gekommen, aber die Sorge hatte ich dennoch immer)
Auch musste ich diesmal nicht fürchten, dass die Passagiere rechts und links von mir wenig Platz fänden ...

Nein, ich konnte mich gedanklich ganz auf meinen Vater konzentrieren, mit dem ich so oft geflogen bin ... und der bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam.

Da mein Töchterlein mein flatterndes Nervenkostüm kennt, waren wir noch schnell am Flughafen in ein Cafe gegangen, wo Mutti erst mal einen Prosecco trank.
Ich bin während eines Fluges übrigens ganz ruhig, aber mir tränen die Augen.
Dagegen kann ich leider rein gar nichts machen.
Nein, ich weine nicht (oder kaum) - also kein Schluchzer oder so - lediglich tränende Augen.
Nervig.

Wir waren schon gegen 9 Uhr morgens in Wien, suchten uns durch bis zu unserem Hotel und begannen dann damit, die Stadt zu erkunden.
Gut, dass ich die Saftphase beendet hatte, denn wir begannen auf dem Naschmarkt.
Dort hätte ich auch Saft bekommen ... aber ...

Nachmittags landeten wir in der Innenstadt, bummelten und probierten uns durch die Klamottenläden.
Kennt Ihr Michal Negrin?
Mein Töchterlein verliebte sich unsterblich in ein Kleid, sieht darin auch "Bombe" aus, aber der Preis ist ein schlechter Witz ...
Wir bummelten weiter, ich probierte bei Gerry Weber ein Kleid in einer 46 an und ... es war einen Tick zu weit!
Allerdings sah ich auch, dass meine Füße geschwollen war - der Flug hat ihnen wohl nicht besonders gut getan und so sind nun also flache Schuhe angesagt ...

Kurz bevor der Regen kam, hüpften wir schnell noch mal zu Michal Negrin rein und das Töchterlein ist nun pleite.

Wir probierten jeder eine Mozartkugel.
Hm ... nicht schlecht, aber das Gewese darum, erscheint etwas überzogen.

So, ran an Tag 2 :)

Dienstag, 1. September 2015

Notizen einer Joggerin ...

Gewicht heute Morgen: 92,8 kg
abgenommen insgesamt - 18,1 kg
Bewegung: Joggen und Laufband
Ernährung: Salat, Gemüse, Soße
Schlafenszeit: ca 1 Uhr


Es hat mir natürlich rein gar keinen Spaß gemacht, mein Gewicht in meiner Gewichtskurve morgens wieder nach oben zu schrauben, aber ich habe es mit leisem Zähneknirschen erledigt.

Meine übliche Selbst-Sabotage, kurz vor den heiß ersehnten 80ern mein Saftfasten mal eben drastisch zu beenden und auch mein "die ersten 20 Kilo sind geschafft" leicht ab adsurdum zu führen.
Doch ja, solche Gedanken habe ich durchaus im Hinterkopf spazieren geführt, aber sie uferten nicht weiter aus, denn ... uns bleibt immer noch Paris.

Nein, ich bin Joggerin.
Hallo September 2015: ich bin Joggerin :)



Gestern Nacht habe ich ein wenig in meinen Einträgen des Vorjahrs herumgestöbert und sehe, dass ich mich aus dem damaligen Tief ganz gut befreit habe. Letztes Jahr war mir recht drastisch das Ende meiner Mutterschaft bewusst geworden, nachdem meine Tochter nicht nur hier auszog, sondern plötzlich auch in Hamburg wohnte.

"Tochter zieht aus" ist ja noch so ein Mutterding ... aber "Tochter wohnt in Hamburg", ist nun ja ... ein Tochterding.
Und so wie die Jahre verfliegen, steht der Auszug des Aliens ummittelbar bevor.
Ich war hin und hergerissen zwischen unbändiger Freude und Angst vor Einsamkeit und Sinnleere.
Ich werde hier ganz alleine leben, mit meinen Katzen reden und irgendwann, unbemerkt von den Nachbarn tot im Flur zusammenbrechen, von den Hunden angenagt werden und erst der intensive Leichengeruch macht den Postboten auf mein Ableben aufmerksam ... jaaaaa!

Fast war ich versucht, dem Alien ein Studium in Kiel schmackhaft zu machen - dann könnte er weiterhin bei Muttern wohnen.
Fast!
Mittlerweile rede ich ihm wieder sehr zu Bayreuth zu.
Bayreuth hat einen tollen Ruf ... und ist eine wunderbare Entfernung ...

Letztes Jahr hatte ich sogar kurzzeitig einen Blog names "leeres Nest" aufgemacht.
Empty Nest Syndrom ... verlassene Muttis, sozusagen.
Aber der Funke zündete nicht recht und ich landete schnell wieder hier.
Immerhin hatte ich mir einen Termin bei der Ehrenamtberatung gegönnt.
Eigentlich würde ich ja lieber (mehr) Geld verdienen, aber ein kurzer Ausflug auf den Jobmarkt ergab, dass hier hoch qualifizierte Frauen die Wahl haben, nachts in Tankstellen zu jobben, Pflegedienste zu übernehmen etc.
Oder sich eben freiberuflich durchzuschlagen - und das mache ich ja schon.
Ich begriff, dass ich für ein interessantes Thema, das mein Leben bereichern und mich von der Überbemutterung des Aliens abhalten würde, keine Bezahlung erwarten sollte, ging zur Ehrenamtberatung und landete in der Flüchtlingshilfe.
Ich war sehr skeptisch gewesen, ob es für mich überhaupt ein sinniges Ehrenamt gäbe, denn:
- ich bin sehr ekelanfällig - Leute um die ich mich kümmer, dürfen keinesfalls sabbern, Hilfe beim Toilettengang benötigen oder oder oder ...
- fremder Leuts Kinder finde ich nervig und ich habe meine Kinder nicht ohne Grund auf Schulen geschickt, auf denen es keine Hausaufgaben gab
- sollten Leute mit Sterben beschäftigt sein, bräuchte ich Trost von ihnen und ihren Angehörigen, statt welchen geben zu können
... und so weiter - ich teilte das meiner Beraterin auch genau so unverblümt mit.
Statt mich raus zu schmeißen, teilte sie mir mit leuchtenden Augen mit, damit sei ich eine hervorragende Kandidatin um entweder in der Flüchtlingshilfe aktiv zu werden oder als Behördenpate.
Als Behördenpate hätte ich speziell sozial Schwachen bei Behördengängen und Formularkram geholfen.
Ich bin tatsächlich große Klasse in Formularen und bei Behörden, aber als Freiberufler muss ich bei Hartz IV Empfängern immer meinen inneren Stammtisch zu aktiv im Zaume halten.
Es gibt Monate, in denen ich mit Nachtschichten und Co Einnahmen erzielte, die unter dem Hartz IV Regelsatz blieben - aber ich stamme aus einem Unternehmerhaushalt und da krempelt man "verdammt noch mal" die Ärmel hoch, "haut ordentlich rein" und nimmt "verdammt noch mal" keine Almosen an.
Frühkindliche Prägung ... da komme ich nicht recht raus.
Dazu kommt, dass ich unsensibel und taktlos bin ... auf die Frage "du hältst dich wohl für was Besseres mit deinem Schulabschluss und Job?!", habe ich mal mit "ja!" geantwortet.
Darum wandte ich mich schnell dem Thema "Flüchtlingshilfe" zu.
Das erwies sich als gute Wahl, denn bisher hatte ich ausschließlich mit Flüchtlingen zu tun, die meiner anerzogenen "Ärmel hochkrempeln und reinhauen!"-Mentalität entsprechen.
Und ich mag diesen bunten Haufen der anderen Ehrenamtlichen.
Der Norden ist doch ein klitzekleinwenig konservativ für eine Exil-Kölnerin ... aber wen ich mittlerweile so alles über das Ehrenamt kennengelernt habe: herrlich!

Im Herbst 2014 gewann ich also ein neues Thema und einen neuen Bekanntenkreis dazu.
Und im Winter 2014 stieß ich auf Joe Cross und das Saftfasten, das sich als gangbarer Weg zum Kiloverlust für mich entpuppte.
Der Sommer 2015 brachte mich nun wieder zum Joggen.

Im Schneckentempo und auch noch im Intervall-Konditionsaufbau.
Könnte gut sein, dass ich beim Joggen von irgendwelchen Spaziergängern überholt werde ... aber ich jogge mit allem Drum und Dran.
Gestern musste ich zB noch schnell ein paar Dinge bei der Bank erledigen.
Normalerweise achte ich pedantisch darauf, solche Termine schick und geschminkt zu absolvieren.
Gestern ging ich stattdessen in Turnschuhen, Sportklamotten und klarem "die Frau geht gleich Joggen!"-Outfit in die Bank und fand das schlicht saugut.
Alles ist besser als der "Jeans, Sweatshirt, ist eh alles egal"-Look ... halt nein ... da war ja auch noch die kurze Phase, in der es mir nicht einmal mehr gelang, passende Jeans zu finden und die Rückkehr zu Jeans mit Reißverschluss und Taschen war einer DER Meilensteine.

Als ich dann gestern im Wald ankam, ging ich noch mal meine innere "ToDo-Liste" durch und stellte nach einer Weile sehr verblüfft fest:
ich war einfach gejoggt.
Ok, es ging bergab und ich war den kompletten Hügel hinunter gejoggt.
Ohne zu zählen, ohne Gehpausen (ohne von harmlosen Spaziergängern überholt worden zu sein ...)

Auch meine Oberschenkel-Krämpfe blieben (vorerst) aus ... sie kamen dann am Ende der Runde doch noch.
Also reizte ich das ein wenig aus und joggte immer, wenn es bergab ging und erhöhte etwas übermütig die Intervalle auf 100:100 (Gehen und Laufen).
Das Tolle war:
gestern hielt mich dann erstmals das Atmen beim Joggen mehr in Schach, als das bloße Heben der Füße.
Mir ging sozusagen die Puste aus.

Ok, ja, mein Alien machte mir mein "yeah, bin ich sportlich!" mit einem kurzen "meine Güte, stirbst du gerade? Bist du in den Regen geraten???" etwas zunichte ... als ich mit rotem Kopf und heftig schwitzend nach hause kam.

Aber auch hier, in Sachen "Mutti als Vorbild für ihre Brut", habe ich deutlich gepunktet:

mein Töchterlein hat eindeutig meine Fähigkeit, Stress mit Essen zu kompensieren, geerbt.
Mein Töchterlein hat begriffen, dass dies eine sinnvolle Fähigkeit ist!

Punkt 2 macht mich glücklich.
In ihren ersten Examen hat sie ca 8 kg zugenommen - und es war eine Prüfung dabei, die sie mit glatten 100% abschloss.
Ich finde, dass 8 kg + ein fairer Preis für tolle Ergebnisse sind und habe ihr das auch so gesagt, als sie traurig meinte, dass "Abnehmen" wohl ein ewiges Thema für sie bliebe.
Nun liegen gerade die 2. Examen hinter ihr, mit ähnlichem Effekt.
In Wien werden wir in die Oper gehen - ich sage nur: Rigoletto! und als mir mein Töchterlein nun mitteilte, dass sie künftig für alle Lebenslagen den passenden Glitzerfummel habe, hat mich das echt gefreut!
Sie war mit einem Kumpel noch schnell ein Kleid kaufen gegangen und berichtete von der "unsensiblen" Verkäuferin, die sagte:
"ja, das Kleid kaschiert schön!"
Der Kumpel (ich mag ihn) hat der Verkäuferin gesagt:
"Was gibt es denn da zu kaschieren? Das Kleid betont schön!"
Und mein Töchterlein führte stolz ein Kleid in einer Größe 42 vor.
(es kaschiert und betont grandios!)
Es ist noch gar nicht lange her, dass ich einmal eine Größe 40 mit der Nagelschere entfernte, auf einen 38er Bügel hängte und auf die Art eine tränenreiche Kleiderkauf-Aktion über die Bühne brachte ...

Mein Alien ... was soll ich sagen?
Er ist nun plötzlich Veganer.
Keine Ahnung, wie lange er das durchzieht, aber mich freut dabei, dass er sich nun überhaupt mal dafür interessiert, was er isst.
Und ich merke, dass meine Joggerei, meine Freude an "guck mal, was mir wieder passt?!" und auch meine Ernährung ihn durchaus mitreißen (was er nie zugeben oder auch nur begreifen würde)

Ich hatte die 30-Tage-vegan-Challenge von Attila Hildmann für den September/Oktober in Erwägung gezogen, aber gleich wieder verworfen. Derzeit mache ich mir täglich ein großes Backblech voll Gemüse.
Einfach Gemüse putzen, auf ein Backblech legen (auf Backpapier) und bei 200° Ober-Unterhitze 30-45 Minuten in den Ofen stellen.
Dazu mache ich eine Soße.
Gestern hatte ich einen Blumenkohl, Karotten, Gemüsezwiebel und Rosenkohl.
Lecker!
Keine Arbeit, große Menge ... außerdem hatte ich einen veganen Salat gemacht.
Veganer Salat heißt: kein Käse, keine Croûtons, kein Sahnedressing ... so gesehen kommt mir der Veganer sehr entgegen, was meine Kalorien so angeht.

Dass heute Morgen dann nicht weitere Pfunde den Rückweg auf meine Hüften gefunden hatten, sondern sich sogar ein paar Gramm nach kurzem Wiedersehen wieder verabschiedet hatten, hat ein breites Grinsen in mein Gesicht gezaubert.
Jetzt muss ich nur schauen, dass ich das nicht alles in 5 Tagen Wien wieder ruiniere, denn ich kann ja schlecht meine Waage mitnehmen (oder meinen gesunden Menschenverstand ...)

Quatsch ... alles runinieren ... selbst wenn ich als Mozartkugel zurückkehre, weiß ich ja nun, wo ich dann ansetze und loslege ...